Johnny Friedlaender – Sonderführung mit dem Sammler Dr. Gerd Gruber

Cranach-Museum, 12.09.2025, 16 Uhr

Am 12. September lädt Sie die Cranach-Stiftung zu einer besonderen Führung mit dem Sammler Dr. Gerd Gruber in die Sonderausstellung „Johnny Friedlaender – Meister der Farbradierung“ im Cranach-Museum Markt 4 ein. Dr. Gruber verfügt über exzellente Kenntnisse zur Kunst des 20. Jahrhunderts allgemein und zu den ausgestellten Werken. Darüber hinaus pflegte er persönlichen Kontakt zu Friedlaender. Im Rahmen der Sonderführung können sich Besucher*innen einen Eindruck davon verschaffen. Die Ausstellung ist noch bis zum 14. September geöffnet.

Der Künstler

Johnny (Gotthard Joachim) Friedlaender wurde 1912 in Pleß (Pszczyna, Polen) geboren und studierte an der Akademie der bildenden Künste in Breslau. Als er 1930 nach Dresden kam, schloss er sich als überzeugter Hitlergegner der linken Künstlergruppe ASSO an. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde er inhaftiert und emigrierte später nach Frankreich. Nach 1945 wurde er zu einem der bekanntesten französischen Künstler seiner Zeit. So repräsentierte er bspw. Frankreich 1958 auf der Biennale in Venedig und seine Werke wurden in ca. 300 Einzelausstellung noch zu seinen Lebzeiten gezeigt.

Die Werke der Ausstellung

Die ausgestellten Grafiken entstanden in einem Zeitraum von über 35 Jahren und sie geben einen repräsentativen Einblick in Friedlaenders Radierwerk. Wie kaum ein anderer Künstler hat er der Technik der Farbradierung neue Ausdrucksmöglichkeiten abgerungen. Im Verlauf der Jahre treten figürlichen Darstellungen wie Mensch und Tiere zugunsten mehr oder minder stark abstrahierter Bildformen in den Hintergrund. Seine Werke lassen ihre Gegenständlichkeit nur noch erahnen. Zunehmend wird die klassische Musik zu einem Thema seiner Arbeiten.


Sarah Louisa Koppe erhält Cranach-Stipendium

Offenes Atelier im Cranach-Hof Schlossstraße 1 vom 18.8. – 14.9.2025 mit Werkstattgespräch am 4.9.2025 um 16 Uhr

Jedes Jahr vergibt die Cranach-Stiftung mindestens ein Stipendium für junge Künstler*innen. Das Stipendium ist mit einer Aufwandsentschädigung und einem Aufenthalt mit offenem Atelier im Cranach-Hof in der Schlossstraße 1 verbunden. Sarah Louisa Koppe ist eine junge Künstlerin von der Hochschule der bildenden Künste Braunschweig und hat das diesjährige Stipendium erhalten. Sie wird in der Zeit vom 18.8. bis zum 14.9.2025 an ihren künstlerischen Werken arbeiten. Sie öffnet ihr Atelier voraussichtlich täglich zwischen 12 und 17 Uhr. In dieser Zeit steht sie für Fragen von Besucher*innen zur Verfügung, möchte ins Gespräch kommen, ihre Arbeit erklären oder die Menschen einfach nur für ihre Kunst begeistern.
Am 4. September, um 16 Uhr laden wir Sie zu einem offenen Werkstatt-gespräch ein.

Sarah Louisa Koppe und ihr Werk
Sarah Koppe wurde studiert derzeit an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig, hat davor aber schon ein Bachelorstudium im Fachbereich Bio-, Chemie- und Ingenieurswissenschaften absolviert. Vor diesem Hintergrund erinnern ihre Werke in ihrer kleinteiligen Struktur an Zellverbände, die sonst nur unter einem Mikroskop sichtbar wären, oder an organische Strukturen. Für die Umsetzung ihrer künstlerischen Ideen nutzt Frau Koppe Textile Materialien, arbeitet mit Webrahmen, Nähmaschine und pflanzlichen Farbstoffen. Ihre Zeichnungen mit Stift und Faden sind eine Verschmelzung von Linien und Farben, inspiriert von den Grenzbereichen von menschlich Geschaffenem, sozialen Gefügen und natürlichen Phänomenen. Sie zeichnen Wachsen, Teilen und Zerfallen nach. Damit unterwirft Sarah Koppe ihre Werke einem zyklischen Prozess der Veränderung: „Die Idee von Veränderung durch Begegnung überträgt sich auf meine Arbeitsweise, bei der Alltagsmaterialien zum Träger neuer Bedeutungsschichten werden. Rückstände ihrer ursprünglichen Funktionen überlagern sich mit neuen Erzählungen und ermöglichen dadurch eine Verschiebung der Perspektive. Das Alltägliche wird in seiner Befremdlichkeit sichtbar gemacht. Diese Annäherungsversuche verstehe ich als eine Suche nach Verbindung, nach Orientierung inmitten komplexer Beziehungen zwischen Menschen und ihrer Umgebung.“ (Sarah Koppe)


Kunstexpeditionen mit Walter Martin Rehahn

Kurfürst und Kunstmäzen. Vortrag zum 500. Todestag des Kurfürsten Friedrichs des Weisen von Sachsen

14. Mai 2025, um 19.00 Uhr, Großer Malsaal Schlossstraße 1 in Luth. Wittenberg, Eintritt: 5,00 €

Kurfürst und Kunstmäzen

Friedrich III. wurde 1463 als ältester Sohn von Ernst von Sachsen geboren und erbte 1486 dessen Kurfürstenwürde über das ernestinische Sachsen. In Wittenberg ließ er das Schloss und die dazugehörige Schlosskirche neu errichten und trieb auch den Aus- und Neubau seiner anderen Residenzschlösser, z.B. Schloss Hartenfels in Torgau voran. Er förderte die Kultur und Wissenschaft in seinem Herrschaftsgebiet und krönte dies 1502 mit der Gründung der Universität in Wittenberg, in der auch Luther und Melanchton lehrten. Ab 1505 arbeitete Lucas Cranach d. Ä. als Hofmaler im Dienste Friedrichs des Weisen, der neben Albrecht Dürer zu den bedeutendsten Künstlern seiner Zeit gehörte.

Der Schwerpunkt des Vortrages liegt auf der Beziehung Friedrichs des Weisen zu den bildenden Künsten und der Architektur. Dabei geht es zum einen um die Hofmaler, die für ihn arbeiteten (Jacopo de’ Barbari und Lucas Cranach der Ältere), aber auch um andere Künstler, die von ihm Aufträge erhielten, wie zum Beispiel Albrecht Dürer. Einen Aspekt bilden die verschiedenen Porträts, die von dem Kurfürsten geschaffen wurden. Es wird der Frage nachgegangen, welche religiösen Werke (z.B. Altarretabel), die in seinem Auftrag entstanden sind, erhalten blieben und wo sie sich heute befinden. Schließlich wird kurz der Neubau und die Umgestaltung der Schlösser in Wittenberg, Torgau und Colditz thematisiert, um abschließend auf die Gestaltung des Grabmals Friedrichs des Weisen in der Wittenberger Schlosskirche einzugehen.

Walter Martin Rehahn

Den Vortrag hält Walter Martin Rehahn, der seit 2009 an der Theologischen Fakultät der Martin- Luther-Universität Halle-Wittenberg einen Lehrauftrag für Christliche Archäologie und Kirchliche Kunst hat. Seit 2016 ist er Kunstbeauftragter des Kirchenkreises Halle-Saalkreis und seit 2018 ist er außerdem Studienleiter (im Nebenamt) für Kunst und Kultur an der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt.


Kind Frau 1988 – 2004 – 2022. Eine Porträt-Trilogie von Angela Fensch.

Ausstellung im Cranach-Museum vom 28.02. – 11.05.2025

Was wie eine Studienreihe klingt, ist in Wirklichkeit kunstvoll inszenierte Fotografie. Die Künstlerin Angela Fensch schuf 1988 / 89 in Vorbereitung des Buchprojektes „Kind Frau“ Bilder von jungen Müttern mit ihren Kindern. Das Besondere daran: das Buch erschien noch zu DDR-Zeiten in Bern in der Schweiz und die Dargestellten passten nicht in das damaligen Frauenbild jenseits der DDR-Grenzen. Die jungen Mütter waren werktätig, sie waren Selbstständige, sie waren Künstlerinnen – kurz: sie waren unabhängig. Doch die Bilder von Angela Fensch waren und sind keine dokumentarischen oder rein sozialkritischen Aufnahmen. Die Schwarz-Weiß-Fotografien zeigen ein wohl durchdachtes Spiel mit Licht und Schatten, sie zeigen selbstbewusst posierende Frauen sowie die Unberechenbarkeit von jungen Kindern. 2004 – also 15 Jahre später – suchte Angela Fensch die gleichen Frauen erneut auf und wieder entstanden diese besonderen Bilder von den Müttern mit ihren inzwischen erwachsenen Kindern. Doch die Künstlerin erwies viel Ausdauer, denn eine weitere Bilderserie folgte 2022. In der Gegenüberstellung dieser drei Zeitschichten lässt sich zwar der Alterungsprozess der Dargestellten ablesen, doch jedes Bild für sich hat einen eigenen künstlerischen Wert, eine eigene Geschichte und ist damit weit mehr als das bloße Abbild der Wirklichkeit.

Die 1952 in Schwerin geborene Künstlerin Angela Fensch versteht ihr Handwerk. Nach einer Ausbildung zur Bibliothekarin folgte die Ausbildung zur Fotografin mit einem anschließenden Studium der Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Bis 1990 stand Angela Fensch außerdem selbst als Modell für das Modeinstitut der DDR vor der Kamera. Die Bilder von ihr wurden in verschiedenen Zeitschriften wie „Für Dich“, „Das Magazin“ oder „Sibylle“ veröffentlicht. Seit Mitte der 1980er Jahre stellte sie ihre Werke als Fotokünstlerin in zahlausreichen Ausstellungen zur Schau und veröffentlichte 10 Bücher. Die Mehrzahl ihrer Werke besteht aus Porträtfotografien, die oftmals Teil von Langzeitstudien sind, wie es auch bei der aktuellen Ausstellung in der Cranach-Stiftung der Fall ist.

Die Ausstellung ist vom 28. Februar bis zum 11.Mai im Cranach-Museum Markt 4 in Lutherstadt Wittenberg zu sehen.

Weiterführende Informationen zur Künstlerin erhalten Sie auf: https://www.angela-fensch.de/index.php

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