Apokalypse - Ein Blick in den Abgrund und darüber hinaus.

Eine Ausstellung anlässlich 500 Jahre Septembertestament mit Werken von Albrecht Dürer, Max Beckmann und anderen

10.09.2022 - 31.01.2023
Montag-Samstag 10:00-17:00 Uhr, Sonntag 13:00-17:00 Uhr

Vor 500 Jahren, im September 1522, erschien Das Newe Testament Deutzsch, Martin Luthers kurz zuvor auf der Wartburg entstandene wegweisende Übersetzung. In Wittenberg gedruckt, wurde es ein Bestseller. Dazu trugen auch die 21 ganzseitigen Holzschnitte bei, die Lucas Cranach (1472–1553) und seine Werkstatt für das letzte Kapitel dieses nach dem Veröffentlichungstermin benannten „Septembertestaments“ schufen. Im letzten Kapitel, der Offenbarung (griech. apokalypsis), berichtet Johannes von seiner Vision einer Katharsis, eines göttlichen Strafgerichtes, das mit der Aufrichtung eines neuen Jerusalems als Synonym für eine neue, vom Bösen befreite und mit Gott versöhnte Welt endet.

Die Cranach-Werkstatt orientierte sich in ihren Grafiken an Albrecht Dürers (1471–1528) Holzschnitten zur Apokalypse, erweiterte allerdings die Folge und bezog in einigen Szenen deutlich antirömische Positionen. Die Ausstellung geht der Wirkungsgeschichte der Illustrationen des 16. Jahrhunderts nach, denn die bildhafte Sprache der Offenbarungen und deren künstlerische Umsetzung beeinflussen bis heute unsere Vorstellungen von Untergangsszenarien.

Das bekannteste Motiv aus Albrecht Dürers Apokalypse ist das der Vier apokalyptischen Reiter, die Krieg, Tod, Teuerung und Herrscherwillkür über das Land bringen. In dem 1938 entstandenen Schabblatt Apokalyptische Reiter von Santos Balmori (1899–1992) tragen die Reiter die Gesichtszüge von Hitler, Mussolini, Franco und vermutlich Tojo Hideki. Sie sind die Kriegstreiber und Weltverheerer der 1930er-Jahre.

Schon 1937, am Tag der Eröffnung der Münchener Femeschau Entartete Kunst, war Max Beckmann (1884–1950) aus Nazi-Deutschland nach Amsterdam emigriert. Drei Jahre später wurden die Niederlande von Deutschland besetzt. Die Erfahrungen von Flucht und Verfolgung verarbeitete Max Beckmann in den 1941/1942 entstandenen Lithografien zur Apokalypse. Das letzte Blatt zeigt den Strom des lebendigen Wassers, über dem drei Sonnen strahlen: Hoffnung in dunkler Zeit.

Die Ausstellung im ersten Obergeschoss des Cranach-Hofes Markt 4 vereint Arbeiten des 16. bis 21. Jahrhunderts. Es werden Holzschnitte aus Dürers Apokalypse von 1498 gezeigt, Werke von Lucas Cranach d. Ä. und von unbekannten Meistern des 16. Jahrhunderts, Max Beckmanns eindrucksvolle Lithografien aus dem Zweiten Weltkrieg, Grafiken von Hans Grundig, Alfred Frank, Erich Mueller-Kraus, Alfredo Mereles, Werner Drewes und Michal Tillner sowie zeitgenössische Gemälde und Handzeichnungen von Christian Pilz, J. O. Schulze, August Ohm, Inge Petersen und Alexandra Müller.

Die Originale von Dürer und Beckmann sind aus konservatorischen Gründen nur bis zum 11.12.2022 zu sehen.

Die Cranach-Stiftung dankt den Leihgebern und Künstlern sowie Lotto Sachsen-Anhalt, dem Land Sachsen-Anhalt, dem Landkreis Wittenberg sowie die Lutherstadt Wittenberg für die Förderung der Ausstellung. 

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